1972 nahm Dr. Karl Ampt als Basketballer an den olympischen Spielen in München  teil. Sein Studentenleben kombinierte er mit dem Beruf als Sportler. Heute leitet er seine eigene Zahnarztpraxis in Gießen. Von Isabella J. Iskra.

Der großgewachsene Herr mit dem schneeweißen Haar schreitet durch seine Praxis, sein Gang ist leicht, seine Bewegungen ruhig und kontrolliert.  Er zieht sich gerne aus dem Trubel zurück, noch heute. Massenaufläufe mag er nicht, auch in Vereinen ist er nicht mehr.  Heute verbringt Karl Ampt den größten Teil seines Lebens in seiner Zahnarztpraxis.  Steht er morgens auf, so freut er sich darüber dass alles noch intakt ist.

Was man nicht ahnt, wenn man den ausgeglichenen, ruhigen Mann betrachtet – In den siebziger Jahren nahm Karl Ampt als Basketballer an einem großen Spektakel teil – den Olympischen Spielen in München. Pastellfarbene Flaggen wehten damals auf den Spielen der Jugend, Deutschland stellte sich der Welt  in einem neuen Gewand vor. “Das war schon eine geniale Geschichte, ein Novum von der Konstruktion her und von allem drum und dran”, entsinnt sich Ampt. Warum reizte Karl Ampt gerade diese Sportart ?

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“Das war eigentlich eine erfolgreiche Geschichte von Anfang an”

Es war eine euphorische Welle nach der ersten deutschen Meisterschaft vom MTV, die Karl Ampt zum Basketball führten. Der Gießener Verein holte 1965 das erste Mal den Titel an die Lahn -das Spiel um den Ball wurde zum Trendsport. An seiner Schule gab es Sportlehrer, die als Trainer im MTV aktiv waren, Ampt spielte Handball, überzeugte sich schlussendlich vom Basketball.

“Das war eigentlich eine erfolgreiche Geschichte von Anfang an – wir hatten eine Jugendabteilung, die fast geplatzt ist”, so Ampt. Als 18 Jähriger kam Karl Ampt, der heute noch von seinem ehemaligen Verein in Gießen als “wohl elegantester Spieler” bezeichnet wird, in die erste Mannschaft des MTV 1846. “Es ging relativ rasch, dass wir deutscher Jugendmeister wurden.” Ampt brillierte im Kollektiv, zwei Jahre befand er sich auf der deutschen Korbschützenliste unter den ersten zehn. Wie entdeckte man sein Talent? Karl Ampt reagiert bescheiden “es fällt schon auf wenn einer gut trifft und die Mannschaft erfolgreich ist”.

Eine Balance zwischen Sport und Studium

Viermal die Woche hatte der Basketballer Training, zwischen Schreibtisch und Halle führte Karl Ampt ein Leben von Profisportler und Zahnmedizinstudent. Ampt sah sich nie als Leistungssportler, der Sport “Basketball ist ein Spiel, Basketballspiel”, erzählt Ampt und lächelt dabei.

Vor allem sah er sich als Student, das Training ging abends los und tagsüber las Ampt in seinen Büchern der Physiologie und Anatomie. “Das ganze Programm konnte man gut kombinieren, man musste bisschen organisiert sein, dass man zum richtigen Zeitpunkt, das richtige macht”, so Ampt. Bei Vorlesungen war er selten, lieber kaufte er sich ein Buch und las es zuhause. Karl Ampt wählte bewusst das Studium der Zahnmedizin. Beobachtete er seinen Bruder, der während seines Medizinstudiums die Studieninhalte fast auswendig lernte, sagte er sich: “Nein, das mache ich nicht!”. “Nur am Schreibtisch zu sitzen, das ist auch nicht das Wahre, also etwas manuell tätig zu sein, dass war mir schon lieb”.

Auf dem Weg zu Olympia

Zum Aufstieg in die Nationalmannschaft kam es schrittweise, im Verlauf der Saison stand der MTV als Pokalsieger an der Spitze des Erfolges. Aus der Mannschaft wurden die besten Spieler eingeladen, im Vergleich zu anderen Spielern aus anderen Mannschaften bekam dann “wenn man entsprechend gut war”, einen Platz in der Nationalmannschaft.

Mit neunzeh oder zwanzig war Karl Ampt in der B-Nationalmannsch
aft. Vor der Olympiade stieg Ampt in den A-Kader auf, diese bestand aus einigen ausgewählten Köpfen von zwanzig bis zweiundzwanzig Spielern. In den Trainingslagern wurde gesiebt und zum Schluss blieben 12 Spieler übrig, mit am Start war auch Karl Ampt. Was fühlte der Student als er zu den Auserwählten gehören durfte? “Ich habe mich gefreut, dass ich teilnehmen kann”, entgegnete Ampt. Als Prämie gab es in der 400 Mark Sporthilfe, “also man konnte einen 2CV fahren”, Karl Ampt lächelt und nickt -”man war auf jeden Fall mobil.”

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Eine Absolution für Karl Ampt

Für einen jungen Menschen, war dies eine einmalige Chance und Ehre zugleich. Sein Höhenflug als Basketballspieler ließ ihn jedoch seine Pflichten nicht vergessen. Als die Einladung zur Olympiamannschaft kam, stand Karl Ampt zwischen Studium und Olympiastadion. Der Professor erteilte ihm in Anwesenheit eines Augenzeugen seine Einverständnis – Karl Ampt durfte an den Olympischen Spielen teilnehmen. Den Montag darauf fragte er in der überschaubaren Runde “Wo ist der Ampt?” Ampts Studienkollege Rainer Jäckel wandte damals ein: “Wir waren doch bei Ihnen gewesen und Sie haben ihm die Absolution erteilt!”. Karl Ampt verlor kein Semester, er nahm seine Bücher mit in das Training und lernte unterwegs – auf dem Weg in das Olympiastadion.

Das olympische Spektakel

Es war die Zeit gekommen, die Olympischen Spiele 1972 wurden feierlich eröffnet. Von Sportlichkeit, Freude und Begeisterung sollten die Spiele strahlen. München als Gastgeber der Olympia investierte viel, um das positiven Image zu kreieren.

Der Stadionsprecher Joachim Fuchsberger führte durch die knapp zweieinhalbstündige Eröffnungsfeier und wies die Zuschauer darauf hin, dass Objektive aus aller Welt auf sie gerichtet sind: “Es empfiehlt sich ab jetzt nur noch zu lächeln, liebe Zuschauer”, so Fuchsberger während seiner Moderation. Zwischen Weltmeistern und Olympiasiegern saß der Student nun am Tisch in der Mensa. “Am Anfang war das schon unglaublich – was man da essen konnte, also es war auch kulinarisch ein Höhepunkt”, erinnert sich Ampt.

Jedoch, desto länger die Spiele dauerten, desto mehr fiel die Achtung von dem Spektakel. Dopingskandale begleiteten das alltägliche Geschehen im olympischen Dorf. “Es war nicht das Spiel der Jugend, es war das Spiel der Profis – damals schon”, so Ampt.

Das Olympia-Attentat von München

1972 war auch ein Jahr in dem ein tragisches Ereignis zustande kam, die palästinensische Terrorgruppe “Der Schwarze September” verübte eine Geiselnahme an der israelischen Sportmannschaft. Theodor Schober, der Trainer der deutschen Basketballmannschaft kam in die Unterkunft und informierte die Spieler über den Vorfall in der Nacht. “Es wusste keiner so genau was los war”, erzählt Ampt. Am Morgen darauf war es dann klar, es handelte sich um einen Überfall der palästinensischen Terrororganisation auf das Haus der israelischen Mannschaft im olympischen Dorf. Wurden die Informationen auf irgendeine Weise vertuscht? Die Informationen waren spärlich. “Die waren ja selbst überrascht, sie wussten selbst nicht was sie machen sollten” erzählt Karl Ampt.

“The games must go on”

Avery Brundage, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees sprach seinen legendären Satz: “The games must go on” – die Spiele sollten weitergehen. Hätte man sich das Ende der Olympischen Spiele gewünscht? “Ein Teil war schon der Meinung”, entgegnet Karl Amt, sein Blick schweift nach unten. Für die deutsche Basketballmannschaft kam es am 08.09.1972 es zur Endrunde. In der Siegenburger Straße war die Basketballhalle, der Austragungsort des Platzierungsspiels. Karl Ampt und seine Mannschaftskollegen spielten um den 11ten Platz gegen Spanien. Mit einem Ergebnis von 84:83 besetzten sie den 12ten Platz auf der Tabelle.

Denkt er heute an die Olympischen Spiele, stellt er fest – “es ist eine relativ durchorganisierte und unheimlich aufwendige Olympiade geworden”. Damals schon in München wurde viel Geld investiert um sich der Welt von einer guten Seite zu präsentieren.

Unterwegs in den Bergregionen von Olongapo

1973 absolvierte Karl Ampt seine Examen und spielte weiterhin in der Bundesliga. Nach Ingolstadt ging er zur Ausbildung zum Kieferchirurgen. Ein Ruf führte ihn nach Bamberg, dort arbeitete er und ging weiter dem Sport nach. Nach einer Zeit kam Karl Ampt zurück nach Gießen. Hier spielte er  noch einmal zwei Jahre. Das Aus kam durch den Herr Neumann, Professor Neumann. “Aber das ist eine andere Geschichte”, so Ampt.

Nach seiner Karriere als Basketballspieler hat er in der Altherrenmannschaft Basketball gespielt. Manchmal fährt Karl Ampt in seiner Freizeit ein bisschen Fahrrad. Eines macht er noch gerne, vor zehn Jahren gründete sich der Verein Lotus Hilfsprogramm e.V. Seitdem bereist Karl Ampt die Philippinen und leistet in Bergregionen von Olongapo, fernab der Zivilisation zahnärztliche Hilfe. Was Ihn an seiner Arbeit als helfender Zahnarzt erfüllt, ist  das Gefühl von großen Dankbarkeit und Freundlichkeit der Menschen, die wie er sagt “die, die Ärmsten, der Armen sind”.

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